Header Image - Laufen zwischen Langenfeld, Hilden und Solingen

Die Ausscheideordnung beim Laufen

Der Aktuar verbindet mit dem Begriff der Ausscheideordnung die statistische Beschreibung des Versichertenbestands in der Lebens- und Krankenversicherung. Hier werden üblicherweise die Zustände „Lebend“, „Invalide“ und „Tot“ und deren Übergangswahrscheinlichkeiten (Markov Modell) betrachtet. Das „Ausscheiden“ sind dann die Übergänge die zum Zustand „Tot“ führen. Grundlage für diese Modelle sind unter anderem die Sterbetafeln. Diese Modelle und Tafeln sind auch für Demographen und Volkswirte interessant, weil man aus ihnen die Lebenserwartung – z.B. differenziert nach Alter, Geschlecht und Region – schätzen kann. Gesellschaftliche Wohlfahrt und Fortschritt verbinden wir auch mit einer zunehmenden Lebenserwartung und die jüngsten Entwicklungen (covid-19 -Epidemie, Über- und Unterernährung) haben gezeigt, dass es hier nicht immer bergauf geht.

Für’s Laufen können wir ebenfalls ein Markov-Modell mit den Zuständen „Läuft“,“Inaktiv“,“Tod“ ansetzen (vgl. Titelbild). Tod ist dabei wie üblich ein absorbierender Zustand, den man nicht mehr verlassen kann. Von allen anderen Zuständen sind hingegen alle Zustände erreichbar. Der aufrechte Gang und das Laufen ist sicherlich die zentrale Fertigkeit, die unsere Gattung Homo im Rahmen der Evolution vom Ökotop Wald in die Savanne/Steppe geführt hat, und auf die wir von unserem Organismus her angepasst sind. Auf den Punkt hat dies Emil Zatopek mit „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft“ gebracht. Die Zustände „Läuft“,“Inaktiv“ und „Tod“ lassen sich weiterhin nach der physischen Leistungsabgabe anordnen. Hier verbraucht das Laufen am meisten Energie und mit dem Tod kommt schließlich das Ende des Stoffwechsel.

Allerdings ist hier die Datenbasis deutlich schlechter als bei der amtlichen Toten-Statistik. Frei zugänglich sind hier die Zahlen aus strava einem www-Portal für Sportler. Das hat natürlich eine andere Qualität als amtliche Statistiken und dürfte auch gegenüber einer repräsentativen Stichprobe verzerrt sein. Dennoch lassen sich hier einige Phänomene beobachten, die gut im Einklang mit den biologischen Grundlagen stehen.

Auswertung Düsseldorf

Ich habe dazu die Bevölkerungsangaben von it.nrw für Düsseldorf 2018 dem aktuellen strava leaderboard „Rheinwerft Alter Hafen“ id=1312748, gegenübergestellt. In einem strava leaderboard werden die Bestleistungen eines Athleten festgehalten.

Zu beachten ist, dass die strava Altersklassen nicht äquidistant sind insbesondere am Rand („<19“, „>75“). Wenn wir diese Randeffekte mal ausklammern, ist der Modus beider Verteilungen die Altersklasse 25-34. In diese Altersklasse fallen regelmäßig die sportlichen Höchstleistungen in der Langdistanz. Jenseits dieses Alters geht es aber bergab und zwar mit

  1. mit der Leistung (vgl. Sakropenie, Agegrading)
  2. mit der Bevölkerung in der Altersklasse
  3. mit der Häufigkeit der strava Einträge in den Bestenlisten

Dabei fällt die Reduktion mit zunehmendem Alter bei den strava Häufigkeiten deutlich stärker aus als bei der Bevölkerung. Man kann deshalb vermuten, dass der Läuferanteil an der Gesamtbevölkerung mit zunehmendem Alter deutlich nachlässt, auch wenn dies zum Teil durch Erhebungsartefakte wie z.B. Ältere nutzen weniger strava, überlagert wird.

 

Wenn wir im Lauftreff-Pappelallee also einen Mitgliederrückgang beobachten, geht dies zum Teil auch auf die Altersstruktur unseres LT’s zurück, da die Aktiven und Ausgeschiedenen derzeit mehrheitlich in den Altersklassen „>50“ unterwegs sind.

Wenn wir nun für das Markov-Modell (vgl. Titelbild) die Übergänge zwischen den Zuständen Laufe, Inaktiv, Tod berechnen wollen, laufen wir bei dieser Datenlage auf ein unterbestimmtes Gleichungssystem. Wir müssen hier also weitere Annahmen hinsichtlich der Übergangswahrscheinlichkeiten treffen.

  • Der Übergang von der Bevölkerung zum Laufen ist eine quadratische Funktion der Altersklasse
  • Der Übergang der Läufer in die nächste Altersklasse ist konstant

Unter diesen eventuell zu „strengen“ Annahmen kommt man zu folgenden Ergebnissen:

Model:  L(t) ~ Bev(t) + Bev(t)*AG*AG + L(t-1)
Coefficients:
               Estimate       Std. Error  t value Pr(>|t|)
Bev     4.459778351e-03  2.682748864e-03  1.66239  0.14750
BevAg2 -9.711433464e-05  9.370011461e-05 -1.03644  0.33995
L_1     4.331588114e-01  3.198560831e-01  1.35423  0.22444
Residual standard error: 375.8102 on 6 degrees of freedom
Multiple R-squared: 0.6777844424, Adjusted R-squared: 0.5166766636
F-statistic: 4.207024934 on 3 and 6 DF, p-value: 0.06367401678

Qualitativ sind die Koeffizienten plausibel, quantitativ aber mit großen Vertrauensbereichen ausgestattet!

Von der Bevölkerung gehen 4,46 Promille zum Laufen über (Coef Bev). Dieser Anteil nimmt mit zunehmender Altersgruppe ab (Coef BevAg2). Aus der vorausgehenden Altersgruppe kommen 43,31% der Läufer ((Coef L_1) d.h. ca. 57% scheiden aus. Wie hoch ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass man 2 Altersklassen „durchläuft“? Hier kommt man zu 0,4331*0,4331 = 18,76%. In eine weitere Altersklasse schaffen es dann nur 8,13%. Gegenüber den Sterbewahrscheinlichkeiten ist man hier schon einem viel stärkeren „Selektionsprozess“ ausgesetzt.

Der mit dem Alter fallende Läuferanteil ist ab der Altersklasse 25-34 offensichtlich negativ korreliert mit den Toten aus den Sterbetafeln d.h. die Läufer nehmen ab, die Toten nehmen zu. Ist dies plausibel?

Wenn man die Toten weiter gliedert, so entfällt der größte Teil in der BRD auf Herzkreislauferkrankungen.

Das Laufen wiederum gilt als gutes Cardio-Training, welches zu einer deutlichen Reduktion des Herzinfarkt-Risikos beiträgt. Bevor man hier voreilig Schlüsse zieht, sollte man in Erwägung ziehen, dass natürlich auch eine Krankheit zunächst der sportlichen Aktivität ein Ende bereiten kann, bevor das physische Ende folgt.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/194401/Sport-Der-Nutzen-ueberwiegt

Nach dieser Darstellung fördert also besonders das Laufen die Lebenserwartung: intensives Laufen sogar mehr als Normales. Das ist auch aus evulotorischer Sicht plausibel, da wir Homo sapiens seit ca. 300.000 Jahren diese Bewegung ausüben und Skelett, Muskulatur sowie Schweißdrüsen daran angepasst sind.

Im Markov Modell (vgl. Titelbild) können wir den Zuständen „Läuft“,“Inaktiv“ und „Tod“ physische Leistungsabgaben (W) zuordnen. Man könnte die Bewegung noch differenzierter mit „Laufen“, „Joggen“, „Gehen“ abbilden. Inaktivität könnte man in „Stehen“, „Sitzen“, „Liegen“ gliedern. Auch hier liegen wieder fallende Intensitäten gemessen in Watt vor (isometrische Arbeit). Die Übergangswahrscheinlichkeit von diesen Zuständen zum Tod dürfte dann mit fallender Intensität zunehmen. Ein vermutlich häufig anzutreffender Entwicklungspfad könnte dann wie folgt aussehen:

Laufen -> Joggen -> Gehen -> Stehen -> Sitzen -> Bettlägerig -> Tod

Wenn es einem nicht mehr gelingt, aus einem dieser i-Zustände in einen vorherigen Zustand i-1 zu wechseln (Reaktivierung z.B. REHA) dürfte man dem Tod statistisch ein Schritt näher gekommen sein.

Auswertung Langenfeld

Langenfeld ist gegenüber Düsseldorf gemessen an der Einwohnerzahl ca. 10 mal kleiner. Deshalb fallen hier auch die Lauf-Häufigkeiten deutlich kleiner aus und die zentralen Momente der Verteilung werden stärker von diskreten Einheiten geprägt.

Ich habe hier das strava Segment „Am Schwarzen Weiher, Nord“ (id=8128939), welches auf unserer Standardrunde liegt betrachtet.

Altersklasse Min – Pace Median – Pace Mittelwert – Pace Max – Pace Anzahl weiblich Anteil an strava Zählungen

Anteil an der

Bevölkerung (Promille)

20–24 4:32 5:29 5:26 6:28 7 2 6,36% 2,44
25–34 3:44 4:55 5:04 6:24 23 2 20,91% 3,51
35-44 3:51 5:13 5:32 9:32 41 9 37,27% 5,28
45-54 3:58 5:08 5:39 10:29 31 8 28,18% 3,46
55-64 4:03 5:17 5:31 7:00 8 2 7,27% 0,89
  • Die Altersklassen „<20“ und „>65“ sind hier nicht besetzt.
  • In die Altersklasse 35-44 fallen die meisten Läufe, und zwar relativ zu allen strava Klassen als auch gemessen im Bevölkerungsanteil. Danach lässt die Laufhäufigkeit nach.
  • Die Bestleistungen werden in der Altersklasse 25-34 erbracht. Danach geht die Leistung erwartungsgemäß zurück (Agegrading).
  • Der Frauenanteil an allen Laufleistungen beträgt im Mittel 23/110 =ca= 21%, demnach unterrepräsentiert. Dies entspricht auch ungefähr der Häufigkeit bei Lauf-Wettkämpfen. Laufen scheint nicht so die favorisierte Sportart bei Frauen zu sein. Ganz anders sieht es bei der Gymnastik aus, bei der Frauen geschätzt 90% der Teilnehmer ausmachen.
  • Ab 25 Jahren ist die mittlere Pace spürbar größer als der Median pace, die Verteilung ist rechtsschief d.h. einige langsame Läufer drücken hier den Schnitt. Wie im Abschnitt „Auswertung Düsseldorf “ dargestellt, muss man beachten, das im leaderboard nur die Bestleistungen eines Athleten in der entsprechenden Altersklasse festgehalten sind.

Da die meisten aktiven und ehemaligen Mitglieder des LT-Pappelallee nun in die Altersklasse 55 und aufwärts fallen, ist demnach der Mitgliederschwund nicht verwunderlich. Von der Altersklasse [45-54] zur Altersklasse > 55 nimmt die strava Lauf-Häufigkeit um (8-2)/8 =75% ab. Die beobachtete rechstsschiefe der Verteilung spricht dafür, dass es einigen gelingt, dass Laufen – wenn auch auf reduziertem Leistungsniveau – fortzusetzen, die meistern sich damit aber schwer tun und ausscheiden.

Derzeit Laufen lediglich 2 Personen (Sandra und Stefan) die Runden im LT-Pappelallee gemeinsam. Von den ehemaligen Läufern treffe ich bis auf einen – der stets solo auf anderen Wegen unterwegs ist  –  keinen mehr laufend auf der Feldflur zwischen Richrath und Hilden. Das gleiche gilt für die publizierten strava Aktivitäten. Auch hier finden sich nur Einträge in den segment-Bestenlisten, die nicht mit uns zusammen laufen.

Personen Zu- und Abgänge können in der Statistik mit Logit- Modellen analysiert werden (Ökonomische Themen sind z.B. Kundencharakterisierung und Gewinnung). Die endogene Variable ist hier die Bestandszugehörigkeit, kodiert mit {0,1}, die man in Abhängigkeit von anderen Attributen der Personen versucht zu schätzen. Bei uns kommen wir auszugsweise derzeit zu folgender Tabelle:

Attribute/Personen P1 P2 P3 P4 P5 P6 P7 P8 P9
läuft LT-Pappelallee Runde 1 1
weiblich 1 1
hat Kinder 1 1 1 1 1 1
Anfahrt zum Treffpunkt > 30min 1 1
Alter < 20 1
Alter > 50 1 1 1 1 1 1 1
jogg oder läuft, beobachtet 1 1 1 1 1
hat an Wettkämpfen teilgenommen 1 1 1 1 1 1 1 1
personal best HM < 120min 1 1 1 1 1 1
personal best 10km < 50min 1 1 1 1 1
personal best 1km < 4:30min 1 1 1 1 1

Demnach gibt es kein einziges Attribut, welches für sich genommen, genau die Zugehörigkeit zum LT-Pappelallee erklärt. Dies ist bei solchen Modellen auch selten gegeben,insbesondere bei mächtiger Datenbasis (Big Data). Wir haben hier sicherlich eine äußerst rudimentäre Datenlage.

Wenn man z.B. das Alter als erklärende Variable heranzieht (2 Variablen : <20, >50) kann man 8 von 9 Ausprägungen der abhängigen Variable exakt abbilden. Die Fehlprognose tritt hier bei P2 auf. Mit den erklärenden Variablen „hat Kinder“ und „Anfahrt zum Treffpunkt > 30min“ gelingt hingegen eine exakte Abbildung. Ob diese Modelle die kausalen Zusammenhänge richtig beschreiben ist fraglich, hier aber mal ein Interpretationsversuch. Wer Kinder oder eine lange Anfahrt hat, für den mag die zeitliche Einplanung des Laufs schwierig werden, so dass er dauerhaft nicht alles unter einen Hut bekommt bzw. die Präferenzen zu etwas Anderem führen (z.B. „Laufen vor der Haustür“, Familien-Treffen/Aktion, etc.). Der Gruppenlauf „lohnt“ sich für diese Personen nicht langfristig. Wenn wir also in der Marketing- und Vertriebssprache „dauerhafte Neukunden“ suchen, sollten wir diese Zusammenhänge berücksichtigen.

Das Laufen zählt sicherlich zu einer der Ausdauersportarten, die einen sehr hohen Energiebedarf (J) haben. Mit zunehmendem Alter will oder kann man nicht mehr diese Arbeit (J) erbringen. Das konnte man – unabhängig vom LT-Pappelallee – an der Segment und Altersstatistik ablesen. Die mit dem Alter nachlassende Skelettmuskulatur als auch der zunehmende BMI führen faktisch zu einer „Entkräftung“ d.h. der Körper kann kaum noch aus eigener Kraft einen Ausdauerlauf bestreiten. Es resultiert eine Leistungsdrosselung (W), die man am pace ablesen kann. Von der Lauftechnik wechseln viele dabei vom Laufen – Bewegung mit Flugphase – zum Joggen. Typisch ist hier ein „auf der Ferse stehender“ Schritt sowie das „gestreckte Knie“ beim Aufsetzen vor dem Körperschwerpunkt ähnlich dem Gehen, was häufig zu orthopädischen Problemen führt, weil die Knie-Federung kaum erfolgt. Wie jeder Lauffehler wirkt sich dies insbesondere bei erhöhtem Gewicht besonders Nachteilhaft aus.

Wie kann man sich nun das Laufen ins Rentenalter retten?

  • Entkräftung erkennen, möglichst vermeiden oder reduzieren. Das Laufen auf Wettkämpfen, strava segmente etc. sind z.B. Mittel der Erkenntnis.
  • Muskelaufbau kommt nicht einfach mit der Nahrungsaufnahme sondern stets mit der physischen Anforderung, die man an sich selbst stellt. Das ist zweifelsfrei ein Akt des Willens. Ich gebe hier der Vielseitigkeit (Schwimmen, Radfahren, Gymnastik,…) den Vorzug gegenüber der Konzentration auf eine Sportart.
  • Verletzungsfreiheit ist eine Frage der Lauftechnik und in unserer Wohlstandsgesellschaft zunehmend eine Frage „des Maßhaltens“ .
  • „Last but not least“ sind soziale Aspekte wichtig. Diese können förderlich – positiver Neid – aber auch bremsend wirken (drink doch ene met). Hier hat sich die Gruppierung in Leistungsklassen bei allen Sportarten bewährt.

Covid-19: Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld…

Covid-19: Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld…

Der Titelgrafik zu den kumulierten Toten seit Jahresbeginn in der BRD entnimmt man, dass wir selbst im covid-19 Jahr eine unterdurchschnittliche Sterblichkeit im ersten Jahresdrittel hatten. Der Trend zu höheren Lebenserwartungen bleibt also in der BRD trotz covid-19 bestehen. Ist das selbstverständlich? Nein, andere Länder wie die USA oder GB verzeichnen schon seit 2016 fallende bzw. stagnierende Lebenserwartungen. Die Vermutungen gehen dahin, dass dies mit dem Zugang der Gesamtbevölkerung zur medizinischen Versorgung und Adipositas zusammen hängt.

Wir können also hier schon festhalten, dass die covid-19-Pandemie in der BRD die Lebenserwartung nicht verringert hat.

Im Querschnittvergleich für die Toten in der EU fällt auf, dass Länder mit einer

  • hohen Lebenserwartung (z.B. Italien, Spanien) oder
  • einem hohen BMI (z.B.  GB)

mehr covid-19 Tote zu beklagen haben, als andere Staaten. Dieser rein statistische Befund wird auch durch eine amerikanische Studie untermauert, zitiert nach Ärtzeblatt:

„In einer Regressionsanalyse von Forschern der Grossman School of Medicine der NYU gehörte die Adipositas nach dem Alter zu den größten Risikofaktoren für eine Hospi­talisierung. Das Team um Leora Horwitz ermittelt für ein Alter von über 75 Jahren eine Odds Ratio von 66,8. Auch die 65- bis 74-Jährigen hatten mit einer Odds Ratio von 10,9 ein deutlich erhöhtes Risiko auf eine Hospitalisierung. Es folgten in der Reihenfolge ein BMI von über 40 kg/m2 (Odds Ratio 6,2) und ein BMI von 30 bis 40 kg/m2 (Odds Ratio 4,3).

Die Adipositas gefährdete die Patienten damit in etwa so stark wie eine Herzinsuffizienz (Odds Ratio 4,3), aber deutlich mehr als Lungenerkrankungen (Odds Ratio 1,3) oder Krebserkrankungen (Odds Ratio 1,2). Auffallend war, dass neben einem Diabetes mellitus (Odds Ratio 2,8) auch eine chronische Nierenerkrankung (Odds Ratio 3,1) einen schweren Verlauf begünstigte.“

 

Der Entscheidungsbaum zeigt deutlich, dass nach dem „Alter > 65“ die Fettleibigkeit (BMI >30) der entscheidende Faktor in dieser Studie ist. Daneben treten noch Diabetes und Geschlecht (männlich) im Baum auf. Alternativ zum Entscheidungsbaumverfahren hätte man die Daten auch mit einer Hauptkomponenten- oder Faktoranalyse bearbeiten können. Der extrahierte Faktor – der auf die Variablen des Entscheidungsbaums hohe Ladungen hat – hätte man dann als Wohlstand/-krankheit bezeichnet. Ist covid-19 der Vorbote für Krankheiten, die auf dem weltweiten Wohlstand basieren?

Der „Standardprügelknabe“ der deutschen Mediziner – die Raucher – scheinen nach einer französischen Studie eher unterrepräsentiert zu sein. Man vermutet hier einen Zusammenhang mit nAChR Rezptoren die einerseits durch Nikotin blockiert werden, andererseits eine Eintrittspforte für den Virus darstellen könnten.

Nur in der Rheinischen Post vom 28.4.2020 werden für den Kreis Mettmann zuerst die Raucher und dann die Übergewichtigen genannt:

Gesundheitsverhalten: Mit einem Anteil an Rauchern von 22,72 Prozent bei den über 15-Jährigen steht der Kreis Mettmann etwas ungünstiger da als etwa die Stadt Düsseldorf (21,66 Prozent). Kein anderes Verhalten hat einen vergleichbar starken Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit.

Auch ist der Anteil der Übergewichtigen mit 54,15 Prozent der über 15-Jährigen recht hoch (Düsseldorf: 45,59 Prozent).  Auch Adipositas beeinflusst die Gesundheit und die Lebensdauer negativ. Typische Erkrankungen sind Bluthochdruck und Diabetes.“

Nach derzeitigem Kenntnisstand (Mai 2020) geht der Unterschied in der covid-19 Sterblichkeit zwischen Düsseldorf und Kreis Mettmann eher auf das höhere Alter und das höhere Gewicht der Mettmanner zurück als auf das Rauchen.

Damit sind wir auch schon auf der regionalen Ebene angekommen,für die das Kreisgesundheitsamt Mettman seit dem März 2020 zahlen vorlegt, die auszugsweise in der folgenden Grafik dargestellt sind.

Hinsichtlich des NRW- lockdown vom 15.3.20 kann man hier keinen Effekt in den gemeldeten Covid-19 Fallzahlen erkennen. Zu einem ähnlich Schluss kommen auch andere Statistiker, die nicht in in Endscheidungsprozesse eingebunden sind. Selbst im Bundesinnenministerium gibt es Stimmen, die von Fehlalarm sprechen.

Mir ist auch keine Studie bekannt, die einen signifikanten Nachweis zur Wirksamkeit der lockdown Maßnahmen geführt hat. Insofern können wir die „Null-Hypothese=kein Einfluss“ nicht verwerfen. Dies wird ja auch durch die Summenbetrachtung aller Toten – Beitragsbild am Anfang – getragen. Auf regionaler Ebene signifikant ist hingegen die Anordnung zur Zählweise. Man wird hier aber den Verdacht nicht los, dass es hier um eine „Schönung der Zahlen“ ging.

Ein weiterer Effekt des lockdowns könnte die Corona-Plauze sein. Sportmediziner hatten zwar vor den Wirkungen des home office, lockdown etc. gewarnt, aber das übergewichtige Deutschland hat sich – auch nach meinen Beobachtungen auf der Laufstrecke – immer weniger bewegt.

„Zwei Drittel der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland sind übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen (23 % der Männer und 24 % der Frauen) ist stark übergewichtig (adipös).“

Haben die covid-19 Maßnahmen indirekt – über solche Effekte –  eher die Infektionsbasis erhöht als erniedrigt?

Die ökonomischen Konsequenzen von covid-19 und lockdown sind hingegen in der BRD signifikant und gewaltig:

Es darf gefragt werden,

  • Ist der lockdown ein probates und finanzierbares Instrument des Bunds, mit dem wir auch in Zukunft Pandemien, für die es kein Medikament/Impfung gibt, entgegen treten können?
  • Wer hat am meisten von diesen Maßnahmen profitiert, wer hat am meisten darunter gelitten?
  • Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld …?

Aus einer ökonomischen Betrachtung würde man das zusammenfallen von Kosten und Nutzen begrüßen. Falls die covid-19 Maßnahmen überhaupt etwas gebracht haben, so dürften – wie dargestellt – Alte, Übergewichtige, Zuckerkranke, Männer die Hauptnutznießer sein. Die Variablen Alter, Geschlecht (männlich) und BMI der Personen sind in der BRD positiv korreliert. Vermutlich gilt das auch für Zucker. Diese Bevölkerungsgruppen kommen zudem in den Genuss von staatlichen Zuwendungen oder Erleichterungen. Die Rente wird aus Steuermittel quer finanziert , Zucker und andere Nahrungsmittel werden trotz einer im Mittel übergewichtigen Bevölkerung noch immer mit reduziertem Mehrwehrsteuersatz besteuert. Wenn wir den Genießern ähnlich in die Tasche greifen wie den Rauchern, könnten über 20 Mrd. EUR/Jahr mobilisiert werden. Vermutlich hätte diese Steuerung nicht nur für covid-19 einen positiven Effekt, sondern würde auch unser ganzes Gesundheitssystem um mehrere Mrd. EUR entlasten. Gleichzeitig könnten damit Umweltprobleme (C02, NOx) reduziert werden.

Angesichts der ökonomisch katastrophalen Entwicklung, ist jetzt ein guter Zeitpunkt gekommen, über die Wohlstandbesteuerung des Hüftgolds ernsthaft nachzudenken. Politisch leichter durchsetzbar und mit weniger Geräusch verbunden ist aber – wie so häufig – die Neuverschuldung. Diese fällt dann den kommenden Generationen auf die Füße. Ist die Bezahlung der covid-19 Rechnung am Ende auch eine Frage der Generationengerechtigkeit?

Und was hat das mit dem Laufen zu tun?

Wie häufig trifft man laufende „gesetzte Herren“ mit Zucker im Rentenalter? FAST NIE!

Wohlgemerkt, unter Laufen verstehen wir die Bewegung mit der Flugphase – nicht zu verwechseln mit Schlendern und Plauschen – bei der die Atmung deutlich anspringt. Läufer zählen demnach statistisch nicht zu den Nutznießern der covid-19 Maßnahmen. Anders formuliert: Wer sich mit Laufen fit hält, hat ein geringeres covid-19 Risiko, das zeigt zumindest der zuvor dargestellte Entscheidungsbaum.

Endlich der Aufschwung nach der covid-19 Pandemie & Pleite

Heute mal ans Reck mit dem Felgaufschwung, eine Übung, die viele Muskelgruppen anspricht und die einige vielleicht noch aus dem Schulsport kennen. Für uns Läufer kann sie Teil des Stabilitätstrainning sein, weil man den Rücken damit stärkt. Aber auch Koordination und Gleichgewicht werden geschult.

Es gibt hier 2 Varianten:

  • Mit einem Bein Schwung holen: das ist die leichtere aber auch asymmetrische Variante
  • Mit beiden Beinen gleichzeitig den Boden verlassen: das ist zwar symmetrisch, erfordert aber mehr Kraft

Also, nicht nur in Politik und Wirtschaft über Aufschwung nach den covid-19 lock down reden, sondern MACHEN. Gerade unsere Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft müssen nach dem Desaster wieder in Form (vgl. Beitrag vom 1.4.20) gebracht werden.

Schonzeit für Winterlinge verlängert

by Stefan
Schonzeit für Winterlinge verlängert

Langenfeld, den 1.4.2020

Aufgrund der Corona Pandemie wird die Schonzeit für Winterlinge verlängert, um die derzeit günstigen Mastbedingungen, wie Prof. Reer in der FAZ erläutert, zu nutzen. Ansonsten ist die übliche Jagdpraxis zu beachten. Wie beim Hasen gilt es, den Winterling „im freien Lauf“ zu erwischen. Besonders schweratmige sind bevorzugt zu erlegen, das sie der Epidemie Vorschub leisten: es geht also wie immer um die Bestandshege und -pflege.

Fastenzeit und Maß

Fastenzeit und Maß

Mit dem Ende der Karnevalsession am Aschermittwoch steht ein Regimewechsel an: die Fastenzeit – Tugend Mäßigung – mit einer Absage an das zuvor üppige Treiben, das zuweilen in Völlerei endete.

In der christlichen Anschauung gilt die Völlerei als eine der 7 Totsünden. Religionsübergreifend steht der Völlerei die Askese gegenüber und auch andere Religionen – wie der Islam – kennen Zeiten der Mäßigung (Ramadan).

Zu den Totsünden gibt es eine Statistik von Beichtgesprächen von Jesuit Roberto Busa der eine erklärende Variable, nämlich das Geschlecht, verwendet und dann die Rangplätze nach Häufigkeit bestimmt.

Hier fällt zunächst auf, dass Völlerei und Habgier bei Frauen nicht genannt werden. Bei den Männern steht die Völlerei auf Platz 2 gefolgt von Faulheit. Wie wir später sehen werden, gibt es hier einen Zusammenhang.

Hand aufs Herz, wer hat nicht schon mal zu viel gegessen? So selten sind diese Ereignisse nicht. Sie treten in unserer Wohlstandsgesellschaft regelmäßig auf und zeigen sich in der nationalen Gesundheitsstatistik. Ab einem Alter von 50 Jahren ist Übergewicht bei Männern in der BRD „normal“. Wir können auf das Modell von Busa aufsetzen und neben dem Geschlecht weitere erklärende Variablen für Völlerei benennen z.B.

  1. Die angebotenen Speisen (Leib- und Magengericht, Portionsgröße, der Koch, persönliche Präferenz, Fett- und Zuckergehalt)

  2. Tage wie z.B.: Wochentag, Feiertag (z.B. 1. Weihnachtstag), Geburtstag, Namenstag,

  3. Orte wie z.B.: Weihnachtsmarkt, Kirmes, Schnellimbiss/Restaurant, Urlaub

  4. Soziale Umgebungen wie z.B. Kegelrunde, Skatabend, Weinrunde

Man wird dann relativ schnell Häufungspunkte ausmachen können, und eventuell gegensteuern

  • Manche Gerichte – Junk Food, Süßigkeiten – ziehen relativ häufig die Völlerei nach sich. Wie ein Junkie erliegen wir ohne Gegenwehr der Verlockung, wenn wir sie nur sehen oder riechen (craving). Parallelen zur Sucht liegen auf der Hand. Die uns treibenden Assoziationsmuster los zu werden ist ein langwieriger Prozess, an denen viele Scheitern.

  • An den kritischen Tagen kann man sich etwas anderes vornehmen.

  • Die Imbissbude, die Fastfoodkette oder den Weihnachtsmarkt & die Kirmes meiden.

  • Vielfach hilft auch der Qualitätsaspekt: Sind die Objekte der Begierde eher einem Gourmet oder einem Gourmand zuzuordnen? Es gibt in der BRD bei weitem nicht so viele Gourmet-Tempel wie Übergewichtige.

  • Bei der Sozialumgebung wird es brenzelig: Versucht man hier mit Maß zu essen, setzt man sich der sozialen Kritik aus und wird als „soz. Fremdkörper/Ruhestörer“ im Umfeld der Maßlosigkeit wahrgenommen. Hier hilft entweder „standing“ oder meiden der sozialen Umgebung.

Nach dem Duden verstehen wir unter Völlerei ein üppiges und unmäßiges Essen und Trinken im Extrem „eine maßlose Völlerei“. Der Wortstamm – voll – deutet auf eine gefüllten Zustand des Magens hin.

Aber was genau bedeutet hier maßlos? Das ist auch schon eine Kernfrage, denn wir haben tatsächlich das Maß bei der konkreten Ausübung der Völlerei verloren oder wollen es nicht anwenden. Eine erste Konsequenz wäre deshalb, sich des Maß bewusst zu werden und es anzuwenden. In der Praxis werden die meisten diese Maßlosigkeit nach außen anders darstellen: „Ich esse nach Gefühl“, „Ich weiß was für mich gut is(s)t“, „Wer sich selbst nicht‘s gönnt ist auch ein Biest“. Sie immunisieren sich damit gegen eine objektive Betrachtung (Hochmut) und verbitten sich z.B. mit „Ratschläge sind auch Schläge“ weitere Hinweise. Im Gegenzug wird den Maß-Nutzern häufig „Selbstoptimierung“ und Narzissmus unterstellt. Bei der Energieaufnahme Strom sind wir hier schon weiter. Die Bundesnetzagentur fördert den Einbau von „smart-meter“ und intelligenten Messsystemen um unserem maßlosen Stromverbrauch auf die Spur zu kommen. Ebenso wissen wir – bis auf Ewiggestrige – das auch die maßlose Nutzung fossiler Energien (CO2) uns den Garaus machen kann. Niemand käme auf die Idee, diese Energiefragen dem subjektiven Gefühl zu überlassen.

Das Maß ist immer der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung.

Unseren Lebensmittel inklusive Getränke können wir verschiedene Maßzahlen zuordnen

  • Kardinal skalierte Attribute wie Energie, Fette, Kohlenhydrate, Eiweiß, Ballaststoffe, Wassergehalt um nur die Makronährstoffe zu nennen.

  • Ordinal skalierte Attribute wie z.B. nutriScore

Diese Maßzahlen unterliegen natürlichen Schwankungen, da die Lebensmittel, die wir konkret verzehren, mit einem Mittelwert geschätzt werden. Weizen ist eben nicht gleich Weizen, und die Produzenten und Verarbeiter kennen einige Unterschiede genau, da sie sich im Preis für die Ware niederschlagen. Eine weitere Unsicherheit geht von uns selber aus, sofern wir die netto verfügbare Energie – und das ist die physiologisch relevante – berechnen wollen. Wir wissen alle, dass ein gestörte Verdauung, die Ausbeute verringert. Weiterhin wird in diesem Zusammenhang die individuelle Mikrobenzusammensetzung im Darm – auf die wir angewiesen sind – diskutiert. Aber im Mittel können wir den Energiezahlen gemessen in kCal oder kJ verdauliche Energie vertrauen.

Der Energiegehalt stellt ein Aggregat von Energiegehalt =f(Fette, Kohlenhydrate, Eiweiß) dar und ist bestens als Maß für die Völlerei geeignet. Wer sich den Bauch mit Salat oder Ballaststoffen wie Kleie voll schlägt, wird nicht oder nur kurzfristig unter den Symptomen der Völlerei leiden. Dazu zählt unter anderem die Trägheit und Faulheit.

Wenn wir unseren Nahrungsmittel nun das Energiemaß zuordnen, brauchen wir noch ein weiteres Maß um die Unmäßigkeit zu attestieren. Das ist üblicherweise der Energiebedarf in Energieeinheiten/Zeiteinheit. Damit wird nun die Zeit wesentlich für die Einstufung „Völlerei“. Die aufgenommen Energie pro Zeiteinheit steht in einem überschüssigen Verhältnis zum Bedarf/Zeiteinheit. Dies ist eigentlich bei jeder Nahrungsaufnahme so gegeben d.h. während des Essens und Trinkens übersteigt die Energiezufuhr/Zeiteinheit den Energiebedarf/Zeiteinheit. Wenn das regelmäßig anders wäre, würden wir verhungern. Wie kommen wir nun zu einem tauglichen Modell?

Die Zeit verstreicht für uns in Perioden (Tag, Nacht, Wochentag, Jahr) in denen sich Stoffwechselvorgänge wiederholen. Physiologisch begründet hat sich hier die Tagesbetrachtung durchgesetzt und wir können den Energiebedarf/Tag mit Handy-Apps oder www-services jederzeit und an jedem Ort bestimmen.

Der Tagesenergiebedarf gliedert sich grob in

  • Grundumsatz (Wärme, isometrische Arbeit, geschlechtsspezifisch)

  • Wachstumsumsatz (Aufbau von Organen, Muskel und Skelett)

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Wiederaufbau nach Verlust (Haare, Fingernägel, Haut)

  • Leistungsumsatz

Wichtig ist hier die Feststellung,

  • dass es viele Apps/Services gibt, die dies abschätzen können

  • das Wachstum auch negativ sein kann, wie den bei Älteren häufig zu beobachteten Muskelschwund

  • dass es nach diesem Modell keinen Bedarf für Speckbildung gibt

  • dass damit die Wahl der Lebensmittel nicht vollständig determiniert ist und es noch genügend Spielraum/Freiheitsgrade für uns Konsumenten gibt z.B. für ökologische Aspekte, religiöse Aspekte, Vegan, persönliche Vorlieben, etc.

  • dass wir den Leistungsumsatz durch Sport deutlich erhöhen können. Kurzfristig durch die verbrauchte Energie während der Aktivität, langfristig durch einen höheren Muskelanteil am Gesamtgewicht.

Wenn wir einen Adulten nicht schwangeren/stillenden homo sapiens aus der BRD betrachten, dann bleibt in der Regel nur noch Grund- und Leistungsumsatz übrig.

Wenn wir den Energiebedarf im Mittel mit unserer Energieaufnahme treffen, dann leben wir maßvoll und im Gleichgewicht.

Dem altersbedingten Muskelschwund mit der Plautze trotzen. Normal, vorbildlich, gesund, nachhaltig?

Ein wesentliches und leicht nachvollziehbares Maß für das Gleichgewicht ist die Körperwaage. Auch hier gibt es eine natürliche Variation im Zeitablauf (Stuhlgang, Tageszeit, Wasserverlust, etc.) die wie der „Fog of War“ die Erkenntnis behindert, aber im Mittel sollte nach dem Bedarfsmodell das Gewicht konstant bleiben. Neben der Waage können wir das Gewicht auch indirekt mit unserer eigenen Kraft messen. Wenn wir diese als konstant annehmen, fallen uns Turnübungen wie Hocke, Klappmesser, Klimmzug oder Liegestütz nach der Zunahme schwerer. Probier‘s aus, und Du wirst auch kleine Unterschiede fühlen.

Wenn wir den Tagesbedarf geklärt haben, müssen wir diesen auf die Mahlzeiten – häufig 3 Mahlzeiten/Tag – herunter brechen und können diese dem Bedarf gegenüberstellen. Das ist in der nachfolgenden Grafik exemplarisch dargestellt.

Beim Nachtisch verlieren wir das Maß

Das Mittagessen fängt hier um 12:00 an und ist um 12:15 beendet. Wir nehmen die Energie in diskreten Einheiten – Happen und Schlücken – auf was zu dem stufigen Verlauf des Energiegraphen führt. Bei der Vorspeise – Salat/Suppe – haben wir es mit kleinen Energiehappen die auch viel Zeit benötigen zu tun. Beim Hauptgang zieht dann die Frequenz und Energiedichte an: es wird still am Tisch, ein „Rausch“ liegt in der Luft, das Gehirn wird spätestens jetzt ausgeschaltet, die Wahrnehmung der weiteren Umgebung verblasst. Das ganze eskaliert zum Schluss mit kleinen und energiereichen Einheiten des Nachtischs. Bei Feierlichkeiten müssen jetzt die Gäste wieder aus „Isolation“ und „Koma“ heraus geholt werden, sofern noch weiter gefeiert werden soll.

Jeder Nutztiermäster dürfte diese Zusammenhänge kennen und für den Masterfolg bei der rationierten Mast nutzen. Der homo sapiens kann sich häufig auch nicht davon frei machen und „frisst“ ohne Maß weiter bis der Teller leer bzw. die zugewiesen Portion im Magen gelandet ist.

Wie kann man sich hier wehren?

  • Zunächst sind hier die Portionsgrößen – Super Size Me – zu überdenken. Wenn schon Junk-Food, muss es dann die große Pizza sein?

  • Dann sollte auch die Zusammensetzung diskutiert werden. Muss es NutriScore E sein?

  • Das einfachste ist, Veranstaltungen mit diesen physiologischen Konstruktionsprinzipien, fern zu bleiben. Schwieriger wird es schon, daran mit Maß teilzunehmen. Man wird es z.B. auf einem Kreuzfahrtschiff schwer haben die Diät zu halten, wenn man mal von starkem Wellengang und damit verbundene Übelkeit absieht.

  • Der erfahrene Nutztiermäster empfiehlt, gerade die ersten Happen mit viel Ballaststoffen zu versehen.

  • Gibt Deinem Magen Zeit für die Aussendung des Sättigungssignal. Unterbreche die Speise, bewege Dich (Zappelphilip) und suche das Gespräch (Mit vollem Mund spricht man nicht). Man sieht schon, dass wir ein bisschen in eine Richtung, die Völlerei begünstigt, erzogen werden.

  • Den Nachtisch kann man auch sehr schön mit Früchten gestalten. Es müssen eben nicht immer Kaloriebomben wie Mousse au Chocolat, Zabaione, Eis, Pudding oder sonstige hoch verarbeitete und konzentrierte Lebensmittel sein, die den Schlusspunkt setzen.

Was macht nun das ganze Mahl zur Völlerei?

Offensichtlich sind es die letzten Happen/Schlücke/Einheiten, bei denen wir das Maß verlieren. In unserem Kulturkreis ist das üblicherweise der Nachtisch, liebe Naschkatzen.

Beispiel: 1 Duplo/60sec = 420 kJ/60sec = 7 kW =7000 W

Auf der anderen Seite sieht man, dass die gleiche Mahlzeit bei mäßigem Sport (verstärkte Atmung) noch nicht einmal den Energiebedarf deckt, also keinesfalls maßlos ist.

Man kann damit festhalten, dass erst die Faulheit das dargestellte Essen zur Völlerei macht.

30 Minuten Lauf mit 5er pace reichen hier schon aus (vgl. Grafik) um den aufgenommenen Energieüberschuss zu verbrennen. Das geschieht Mittels Atmung. Je stärker diese ausfällt, umso höher der Energieverlust. Die verbrannten Kalorien werden über das CO2 der Atemluft ausgeschieden. Je mehr wir atmen, desto weniger bleibt uns auf den Rippen hängen. Also ruhig mal intensiv mit einer Atmung – die das Sprechen nicht mehr erlaubt – trainieren um die 7000W des Duplo-Konsums loszuwerden. Wenn man hingegen auch beim Sport die tiefe Atmung scheut, ja dann muss man sich eben mehr Zeit für die Neutralisierung der 7000 W nehmen oder, falls dafür die Motivation (Faulheit) auch nicht reicht, lässt man es zweckmäßigerweise einfach sein, das Duplo.

Ganz anders sieht es bei Ausdauerbelastungen aus. Wenn man eine Radetappe von 200 km zu bewältigen hat, darf und sollte man am Abend zuvor reichlich leicht verdauliche Energie zu sich nehmen. Anders sind Mehrtagesradrennen wie die Tour de France nicht zu schaffen. Aber in dieser Situation sind bekanntlich die wenigsten von uns. Bei einem vorwiegend sitzend verbrachten Arbeitstag dürfe das üppige Abendmahl i.d.R auf den Rippen hängen bleiben. Im Beispiel sind es 103 kCal was ungefähr einer Zunahme von 14,8 Fett entspricht. Diese geringe Veränderung kann man auf der Körperwaage kaum messen, weil sie im statistischen Rauschen anderer Gewichtseinflüsse wie Wassergehalt, Stuhlgang etc. untergeht. Wenn man jedoch jede Woche im Schnitt einen solchen Überschuss erzeugt, hat man nach 20 Jahren ca. 15 kg auf den Rippen, nach 30 Jahren bereits 23kg, etc. Man kann dieses „Breitenwachstum“ nicht ohne wesentliche Komplikationen bis zum Lebensende durch exerzieren oder das Lebensende erreicht einen zeitiger als gewünscht. Haben sich bereits 20kg und mehr angesammelt, so können diese – neben chirurgischen Eingriffen – nur über die Lunge (Fett→Co2) ausgeschieden werden. Es dürfte klar sein, das dies ein längerer Prozess wird.

Sind wir nach der Völlerei glücklich?

Bei den US-Amerikaner hat das Glück mit „Pursuit-Happiness“ Verfassungsrang. Wir erreichen dieses Ziel aber nicht mit Völlerei. Im Gegenteil, wir sind nach einem üppigen Mal eher träge/faul/gelangweilt und fallen in ein Insulin/Cholesterin Koma. Viele nutzen dies für eine Mittagspause.

  • Warum versagt der Verstand bei den letzten Happen?
  • Warum tappen wir immer wieder in die selbe Falle?
  • Nehmen wir uns es bewusst – z.B. 1. Weihnachtsfeiertag – vor?

Bei den letzten Happen eines üppigen Mahls befinden wir uns in einem Rauschzustand bei dem der Verstand weitgehend abgeschaltet ist. Wir Läufer kennen so etwas ähnliches beim Wettkampf. Hier gilt es Disziplin zu wahren, und sich weder von den Top-Läufern beim Start mitziehen zu lassen noch gegen Ende der Strecke in das Tal der Tränen einzubrechen. Wir meistern dies mit einem Blick auf unsere Maße: Liegen Pace, Puls und Schrittfrequenz in einem vernünftigen Korridor? Beim Essen sind wir derzeit noch auf Abschätzungen/Erfahrungswerte angewiesen. Wenn wir langfristig im Gleichgewicht leben, dann haben wir wohl eine geeignete Abschätzung gefunden. Falls nicht, gilt es zeitig die Bremse zu ziehen, ungefähr bei der Mitte der Mahlzeit sollte man mal subsumieren, was schon zusammengekommen ist und gegebenenfalls den Konsum drosseln.

Der Nobelpreisträger und Psychologe Daniel Kahneman weist auf den Unterschied zwischen Glück – happiness – und Zufriedenheit – satisfaction – hin.

They actually want to maximize their satisfaction with themselves and with their lives. And that leads in completely different directions than the maximization of happiness.“

Glück ist immer etwas, was im Augenblick einer Person passiert. Zufriedenheit ist hingegen der Blick zurück auf das erlebte und ergibt sich häufig als Differenzmaß zur sozial Umgebung. Die Lebensverhältnisse der Menschheit der letzten Tausend Jahre, die damals noch für ein Gefühl für komperative Zufriedenheit gesorgt haben, würden wir heute als sozial bedürftig klassifizieren und die Betroffenen mit Transfereinkommen ausstatten (soziale Teilhabe). Zufriedenheit entsteht stets aus dem Vergleich. Das Vergleichsobjekt suchen wir uns selbst, womit wir bei Neid und Missgunst – eine weitere Totsünde – angekommen sind. Eine Sparkassenwerbung aus vergangenen Jahren hat dies mit „Mein Haus, Meine Frau, Mein Auto“ auf den Punkt gebracht.

Wenn wir beim Essen über die „Stränge schlagen“, dann ist dies eher dem Sterben nach Zufriedenheit geschuldet. Das streben nach Zufriedenheit ist uns immanent, aber muss denn das Essen so häufig dafür herhalten?

Glück kann man nicht essen. Auch hier könnten wir ein Häufigkeitsmodell – wie für die Völlerei – für das Glück konstruieren. Einige Literaturstellen nennen hier den „Flow“ als zuverlässige Glücksquelle. Wir Läufer kennen diesen Zustand, wenn wir mit dem Laufen verschmelzen und subjektiv das Gefühl haben, eine Ewigkeit – Verlust der Zeitwahrnehmung – unterwegs zu sein. Ich würde vermuten, dass die Empfindung Glück negativ korreliert ist mit dem Sättigungszustand. Im Insulin/Cholesterin Koma dürfte Glück und dessen Wahrnehmung relativ unwahrscheinlich sein. Das gleiche gilt für das Gegenteil, das Pech, und vermutlich erhält der Delinquent auch deshalb eine Henkersmahlzeit. Alles wird eben durch Sättigung gedämpft, auch wenn es den Kopf kostet.

Was kann man für die Fastenzeit empfehlen

  1. Lege Dir Maße zu, messe regelmäßig und führe ein Protokoll, am besten nicht nur für die Fastenzeit, dann bist Du nicht mehr „maßlos“. Das ist sozusagen Dein persönliches „smart-meter“ für die Energieaufnahme/abgabe.

  2. Analysiere dein Essverhalten genau – analog zum dargestellten 3 Gang Menü – und versuche die Überschreitung und deren Bestimmungsgründe herauszufinden. Es bringt nichts, die Überschreitung des Maß zu beschönigen oder zu leugnen. Im Gegenteil, sammle Daten zu den Überschreitungen und maßvollem Essen (balancierte Datenbasis) inklusive erklärende Variablen z.B. in einer Tabellenkalkulation und formuliere Modelle, die ein Blick auf die Bestimmungsgründe erlauben.

  3. Lass Dich von „pursuit of happiness“ leiten und nicht von „I can‘t get no satisfaction“.

  4. Laufe, denn mit Laufen senkst Du die Wahrscheinlichkeit für maßlose Völlerei enorm und kommst dem Glück im Flow etwas näher. Wir Läufer wissen, dass die Nahrungsaufnahme kurz vor dem Sport dem Laufen nicht zuträglich ist. Also besser vor den Mahlzeiten laufen, als regelmäßig nach den Mahlzeiten das Scheitern zu konstatieren.

  5. Trainiere einfache Turnübungen wie Hocke, Klappmesser, Klimmzug oder Liegestütz und vergewissere Dich, in welchem Verhältnis Kraft und Gewicht bei Dir stehen.

Das ist die individuelle Betrachtung, was kann man nun für das Kollektiv empfehlen?

Zunächst ist festzuhalten, das Vater Staat die Hände bei den Lastern Rauchen, Alkohol, Glücksspiel weit aufhält. Dies ist einerseits dem fiskalischen Interesse geschuldet, wird aber auch mit Lenkungswirkung der Steuer und externen Effekten der Laster begründet. Bei Lebensmitteln ist es derzeit anders: der Konsum wird mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz in der BRD befeuert. Vermutlich geht das auf vergangene Zeiten zurück – Nachkriegsjahre – in denen Lebensmittel sehr knapp waren, und der Bevölkerungsbedarf nicht ausreichend gedeckt wurde. Ein Blick in die nationale Gesundheitsstatistik zeigt, dass diese Tage längst vorbei sind und damit die Grundlage für diese Argumentation entzogen ist. Im Gegenteil, die Lebensmittelproduktion und der Lebensmittelkonsum bereiten externe Kosten, die nicht in den Marktpreisen enthalten sind. In der gesellschaftlichen Diskussion steht dabei derzeit die Produktion – Ökologie, Tierwohl, Preise, Agrarstrukturwandel – im Vordergrund. Der Konsumentenwunsch nach billiger überschüssiger Ernährung – sprich Völlerei – ist derzeit aber ein Tabu obwohl er unserem Gesundheitssystem Milliarden Kosten jährlich bereitet. Wohl gemerkt, es sind nicht einzelne Lebensmittel bzw. deren Inhaltsstoffe wie Zucker und Fett, die ein Problem darstellen. Es ist die Maßlosigkeit des Lebensmittelkonsums (Ökonomen ist dies unter der Annahme „Nichtsättigung im Konsum“ bekannt), von der die Kosten im Gesundheitssystem ausgehen. Diese Maßlosigkeit drückt sich in einem dauerhaften Energieüberschuss aus, der uns Konsumenten auf den Rippen hängen bleibt und von der die volkswirtschaftlichen Kosten bestimmt werden. Zielführend ist es deshalb, durch monetäre Honorierung oder Sanktionierung (Bonus, Pigout-Steuer, Property Rights) das Konsumentenverhalten in eine bessere Richtung zu lenken. Als Maß kann hier der BMI, der Bauchumfang etc. zur Abschätzung des Energieüberschuss dienen. Bei der Stromenergieaufnahme erleben wir derzeit ein Boom bei den „smart-meter“. Vielleicht bekommen wir in Zukunft ähnlich präzises für unseren eigenen alltäglichen Energiehaushalt.

Jahresstatistik 2019

Jahresstatistik 2019

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick zu den Summenleistungen der Sportler, die wie immer annonymisiert in den Spalten der Tabelle genannt sind.

Run Summe Extrema a b c d e f g h i j k l
Distanz 10.735,80 2.712 2712,3 1009,4 2019,9 2160,7 1571,1 549,6 506,2 134,1 72,5
Zeit 961:49:00 220:52:00 94:09:00 180:54:00 201:34:00 142:55:00 52:49:00 46:19:00 14:50:00 07:27:00
Höhenmeter 64701 17.327 10170 10799 6685 17327 14947 2179 1609 668 317
Läufe 1026   328 72 152 169 117 97 66 14 11
Pace 5:23 4:53 4:53 5:36 5:22 5:36 5:27 5:46 5:29 6:38 6:10
Cycle                      
Distanz 39.045,94 13.598 3483,5 4007 13598,3 92,1 29,8 10213 34,835 5992,4 1249,3 28,6 317,1
Zeit 1545:00:00 144:10:00 166:23:00 474:39:00 04:09:00 02:32:00 414:34:00 02:53:00 268:32:00 48:37:00 02:33:00 15:58:00
Höhenmeter 329.611 117.505 61876 40608 117505 551 315 68101 114 30700 8292 56 1493
Radfahrten 1240   95 231 269 3 4 341 18 178 83 3 15
Geschwindigkeit 25,27 28,65 24,16 24,08 28,65 22,19 11,76 24,64 12,08 22,32 25,70 11,22 19,86
Swim    
Distanz 573,75 328 135,137 328,315 92,5 17,793
Zeit 198:04:00 50:03:00 91:17:00 48:00:00 08:44:00
Schwimmeinheiten 345   164 122 32 27
Pace 2:04 1:40 2:13 1:40 3:07       2:57    
Run-M (M=42,195 km) 254,43 64,28 64,28 23,92 ,00 47,87 51,21 ,00 37,23 13,03 ,00 12,00 3,18 1,72
Cycle-M (M=205 km) 190,47 66,33 16,99 19,55 66,33 ,45 ,15 49,82 ,00 ,17 29,23 6,09 ,14 1,55
Swim-M (M=10 km) 57,37 32,83 13,51 32,83 ,00 9,25 ,00 ,00 ,00 ,00 ,00 1,78 ,00 ,00
 
Marathonsumme 502,28 94,79 94,79 76,30 66,33 57,57 51,35 49,82 37,23 13,20 29,23 19,87 3,32 3,27

Betrachtet man die 3 Ausdauersportarten, fällt auf, dass die Spitzenwerte für Jahresweglänge und pace immer auf eine Person fallen. Hohe Leistung und Ausdauer sind also positiv korreliert (vgl. Grafik im Titel).

Das hätte man sich auch anders vorstellen können d.h. das Pacemaximum wird bei den Athleten mit geringer Streckenleistung angenommen. Schließlich werden auf der Kurzstrecke regelmäßig höhere Geschwindigkeiten erzielt als auf der Langstrecke. Nach dieser Tabelle scheint es aber eher umgekehrt zu sein (vgl. Titelbild). Wenige Kilometer gehen häufig mit langsamer Bewegung einher. Mögliche Gründe für diesen Zusammenhang können in einer Verletzung, im Trainingszustand aber auch in der Zielsetzung des Sportlers liegen. Wer wenig trainiert – und kaum Kondition hat – bewegt sich auch langsam.

Die physikalische Arbeit (J) bei Ausdauersportarten wird überwiegend aerob durch Verbrennung von Zucker und Fett bereitgestellt. Da wir in unserer Wohlstandsrepublik keinen Energiemangel kennen – vgl. Weihnachtsmarkt-Beitrag – und eher im Überfluss leben, wird die Energieabgabe im wesentlichen mental – Will ich Energie abgeben? Wie viel? – und durch die Atmung – Kriege ich genug Luft? – begrenzt. Ersteres ist auch eine Frage von Verletzung aber im wesentlichen eine Frage der Zielsetzung. Es gibt sicherlich viele Bürger, die die Energieabgabe scheuen, weil sie sie als vorwiegend unangenehm empfinden. Man kann das sehr gut an Gymnastikstunden mit „Trainer/in“ nachvollziehen. Dessen Aufgabe besteht zum größten Teil darin, die Kursteilnehmer über dieses „unangenehm“ hinweg zu führen. Dies schafft er durch Leichtigkeit in der Vorgabe und eine bärenstarke Motivation. Ist der Gipfel des „unangenehm Berg“ erreicht oder überschritten, freuen sich auch die zunächst pessimistischen und gehen zufrieden nach Hause. Nicht jeder hat eben genug Kraft, diese Durststrecke selber zu überwinden und „kauft“ sich die fehlende Motivation mit einem Trainer. Natürlich hat ein Trainer auch noch weitere Aufgaben, aber das wäre ein eigenes Thema.

Das vergangene Jahr 2019 war aus läuferischer Sicht ein Erfolg. Die LT-Pappelalle-Rundenläufer waren im Schnitt noch sie so schnell unterwegs. Das ist zunächst dem persönlichen Einsatz – genau genommen dem persönlichen Energieverlust (J) – geschuldet. Es liegt aber auch daran, dass die Rundenläufer nicht gebremst wurden. Ja, es gibt auch so etwas wie „Bremser“ die das „unangenehme“ der Energieabgabe auf die Gruppe projizieren was dazu führt, dass der Langsamste das Tempo vorgibt (Man Stelle sich vor, unsere Gesellschaft\Volkswirtschaft wäre nach diesem Prinzip organisiert.). Die Augen vor solchen Effekten zu verschließen hilft in der Praxis auch nicht weiter. Man kann sie nicht ignorieren und in der Praxis führt dies bei großen Fliehkräften zu Aufspaltung in verschiedene Leistungsgruppen, so, wie wir es auch von vielen anderen Sportarten und den lokalen Sportvereinen kennen.

Dafür hatten wir vor ca. 5 Jahren eine kurze LT-Damenrunde. Nach meinem Kenntnisstand haben sich aber die ausgeschiedenen Läufer nicht zu einer Jogging-Gruppe reorganisiert.

Kulinarischer Tiefflug auf den Weihnachtsmärkten

Kulinarischer Tiefflug auf den Weihnachtsmärkten

Unter Adventszeit verstehen wir heute die 4 Wochen vor Weihnachten. Sie ist demnach fest mit dem christlichen Glauben verbunden.

Bußcharakter nicht verloren

Auch wenn seit 1917 das Adventsfasten vom katholischen Kirchenrecht nicht mehr ausdrücklich verlangt wird, hat die Adventszeit prinzipiell ihren Bußcharakter nie verloren. Das endzeitliche Motiv der Wiederkunft Christi – die vom Menschen Buße verlangt – und das weihnachtlich-freudige Motiv der Menschwerdung Gottes prägen gleichermaßen die adventliche Liturgie. Die am dritten Adventssonntag „Gaudete“ („Freut euch“) getragene liturgische Farbe Rosa macht das deutlich: Sie symbolisiert – parallel zum vierten Fastensonntag „Laetare“ („Freue dich“) – die Freude darüber, dass die Hälfte der Bußzeit und damit des Wartens auf den Erlöser erreicht ist.

Wie passen nun unsere Weihnachstmärkte und die religöse Motivation zusammen? Die Antwort ist einfach: Gar nicht!

Man beobachtet hingegen eher eine wie bei Schützenfest/Jahrmarkt/Kirmes ausgelassene Stimmung der Besucher, die sich dem „Genuss“ von deftigen und süßen Speisen hingeben, und die ganze „Melange“ mit Alkohol runter spülen. Das erinnert dann schon mehr an Bruegels Bild vom Schlaraffenland zuzüglich des heute üblichen Plastikmülls.

Auch ökologisch ist der Weihnachtsmarkt mit dem Einweg Besteck etc. bedenklich.

A propos „Genuss“. Ist der Weihnachtsmarkt eher eine Veranstaltung für Gourmets oder Gourmands? Meines Wissens hat noch kein mir bekannter Weihnachtsmarkt einen Michelin Stern oder sonstige kulinarische Auszeichnung erhalten. Es ist eben in der Praxis eher ein kulinarischer Tiefflug als das Ergebnis von „haute cuisine„. Feinschmecker und Genießer sind eben nicht in allen Fällen deckungsgleich.

Angesichts der offerierten Kalorienberge, stellt sich uns Läufern die Frage, ob diese unserem Sport zuträglich sind. Hier könnte der weniger fette „Süßkram“ natürlich deutlich den Blutzuckerpegel anheben. Aber wer macht sich schon gern beim Laufen die Finger klebrig oder schmiert sich mit Zuckerwatte ein. Aus sportlicher Sicht, also eher „Finger weg“.

Aus einer ernährungsphysiologischen Perspektive heraus, würde man vermutlich 90% der offerierten Lebensmittel das Nutriscore Prädikat E verleihen.

Beispiel: Weihnachtsmann aus Schokolade

Positive Punkte: 0
Eiweiß: 4 / 5 (Wert: 7, gerundeter Wert: 7)
Ballaststoffe: 0 / 5 (Wert: 0, gerundeter Wert: 0)
Obst, Gemüse, Nüsse und Raps- / Walnuss- / Olivenöl: 0 / 5 (Wert: 0, gerundeter Wert: 0)

Negative Punkte: 28
Brennwert: 7 / 10 (Wert: 2393, gerundeter Wert: 2393)
Zucker: 10 / 10 (Wert: 55, gerundeter Wert: 55)
Gesättigte Fettsäuren: 10 / 10 (Wert: 22, gerundeter Wert: 22)
Natrium: 1 / 10 (Wert: 120, gerundeter Wert: 120)
Die Punkte für Proteine werden nicht gezählt, da die negativen Punkte größer oder gleich 11 sind.
Nährstofftabelle: 28 (28 – 0)
Nutri-Score: E

Kann denn Weihnachtsmarkt Sünde sein? Yes, we can. Aber angesichts des kulinarischen Tiefflugs muss man sich Fragen, ob das Schaden/Nutzen Verhältnis dies Wert ist. Wenn schon Sünde, dann doch lieber auf gepflegtem Niveau. Und hier kann es auch mit Michelin-Stern vegan und ernährungsphysiologisch vertretbar (Score A) sein. Dann darf man nach dem Mahl auch „Non, je ne regrette rien“ singen und erntet nicht die Michelin Figur.

 

Der Rechner zur Adventskalender-challenge

Der Rechner zur Adventskalender-challenge

Die AKL-challenge besteht darin, jeden Tag im Advent einen Kilometer mehr zu laufen, beginnend mit 1km. Dies erfordert in Summe 24*(24+1)/2=12*25=300km (!!!) oder allg. n*(n+1)/2 km wobei n der letzte Tag ist.
Vom 1.12.19 bis zum 4.12.19 bin ich 8,17+26,70 = 34,87 km gelaufen.Nun wäre es interessant zu wissen, an welchem Tag ich diese km Summe bei der -challenge erreichen würde. Ansatz also
n*(n+1)/2 = 34,87 <=> n =-1/2 +(1/4 +2*34,87)^0,5 = 7,8660026297, vgl. Online-Rechner für quadratische Gleichungen

Ich laufe üblicherweise 200km/Monat. Ansatz ist also n*200/31 = n*(n+1)/2. Ich schätze mal, das ich am Tag 12 aussteige.

Aber wie drückt man 7,8660026297 schön in Weihnachtsmann -Notation aus? Hier mal ein Vorschlag zur binär Darstellung. (Excel download AKL Rechner)

,

 

Der AKL Rechner stellt den berechneten Schnittpunkt n*(n+1)/2 =GelaufeneStrecke auch in einer Grafik da (vgl. unten). Am Freitag 13.12.19 habe ich demnach bereits das Pensum vom Sonntag 15.12.19 erreicht.

Das binäre Zahlensystem in einem ersten Entwurf von Gottfried Wilhelm Leibniz, 1697, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dualsystem

Auswertung der Garmin Lauftrack-Aufzeichnung

Die Garmin Laufuhren der gehobenen Klasse zeichnen derzeit eine ganze Reihe von Merkmalen während des Laufs auf die man z.B. mit dem Garmin-SDK aus der fit-Datei auslesen kann.

  1. position_lat, position_long, altitude, timestamp,
  2. distance, speed, step_length
  3. heart_rate, vertical_oscillation, stance_time, cadence, stance_time_balance, temperature

Vermutlich werden distance, speed und step_length aus den anderen Merkmalen abgeleitet.

Auszugsweise ist hier mein Lauf vom 10.Sep.2019 dargestellt, mit in rot dargestellten Feldern, die ich berechnet habe.

position

lat

position

long

altitude time-

stamp

distance speed step

length

cadence ds dt Vincenty
Inverse formula
v1=

ds/dt

v2=

cad*stlen

step_length2

=ds/cadence

51,13593366 6,96236174 56 937064230 0,29 12,8304 1166 172 0,29 1 0,29 1,04 12,03 101,16
51,13595185 6,9623288 55,8 937064231 1,51 12,1932 1166 172 1,22 1 1,22 4,39 12,03 425,58
51,13596375 6,96229359 56 937064232 4,62 5,0724 1072 178 3,11 1 3,11 11,20 11,45 1.048,31
51,13597716 6,96226149 56,4 937064233 8,77 5,0724 483 178 4,15 1 4,15 14,94 5,16 1.398,88

Zu den abgeleiteten Feldern:

  1. Die Distanz gibt die Summe der zurückgelgten Strecken zwischen 2 Punkten an und wird von Garmin vermutlich mit der „Vincenty Inverse Formula“ berechnet. Man erzielt damit zumindest Deckungsgleichheit zu den Garmin Strecken und der Distanz.
  2. Die von Garmin ausgewiesene Geschwindigkeit lässt sich weder über
    1. die Gleichung v=ds/dt noch über
    2. die Gleichung v=cadence*steplength berechnen
  3. Die von Garmin ausgewiesene Schrittlänge kann nicht über die Gleichung step_length2 =ds/cadence berechnet werden.

Vermutlich verwendet Garmin für Geschwindigkeit und Schrittlänge einen autoregressiven Prozess, der zu einer Glättung führt. Die Abweichungen zu den beiden anderen Geschwindigkeiten ist aber erheblich wie folgende Grafik zeigt.

Grün sind hier die Geschwindigkeitswerte aus den Koordinaten (lat,lon) dargestellt. Diese haben die größte Streuung und sind am ungenauesten. Diese Werte dürften auch einer Handy-Aufzeichnung entsprechen und sind eventuell auch die von strava angezeigten Geschwindigkeiten.

Für eine detaillierte zeitauflösende Analyse sind die Geschwindigkeiten aus der Positionsberechnung kaum zu gebrauchen. Lediglich der Mittelwert wird getroffen, wenn auch mit erheblicher Varianz. Vermutlich gilt gleiches für die beim Lauf realtime angezeigten Geschwindigkeiten. Das Positionsbabhängige matching der strava-Segmente ist deshalb auch insbesondere auf kürzeren Segmenten mit erheblichen Zufallsschwankungen behaftet.

Die Beziehung zwischen Garmin Geschwindigkeit und v=cadence*steplength scheint mit einem TimeLag (t-1) versehen zu sein. Vermutlich ist in steplength mehr Systemvergangenheit enthalten als in der Garmin Geschwindigkeit.

Die Geschwindigkeitsrelevanten Felder sind in ihrer Kreuzbeziehung im folgenden dargestellt.

 

 

 

 

 

Die Unterschiede schwinden

Quelle: Wiki

 

Im Lauftreff Pappelallee kommt gelegentlich die Frage auf, wie groß der Unterschied beim Laufen zwischen den Geschlechtern ist. Hier ist natürlich die zentrale Erfolgsgröße des Laufens – die verstrichene Zeit auf der Distanz – gemeint und es gilt: je schneller desto besser.

„Wir Läufer haben die Zeit, im Fußball sind es die Tore, um beim Schach heißt es Schachmatt und zwar unabhängig davon ob Profi oder Amateur. Man wird sicherlich nur Unverständnis ernten, wenn man diese Vorgaben mutwillig  verletzt. Beim Schach mit dem König nach vorne marschieren, mit Vorsatz Eigentore schießen,oder beim Lauf einfach mal entspannen erzeugt Kopfschütteln oder führt sogar zur Disqualifikation bzw. zum Ausschluss vom Wettkampf, insbesondere dann, wenn Preisgelder winken.“

Das neben der Distanz, das Geländeprofil, der Untergrund, die Wetterbedingungen, das Gewicht und das Alter maßgeblich für die Zeit sind, haben wir in den vorherigen Beiträgen schon diskutiert. Von diesen Faktoren sind aber nur Geschlecht und Alter für den Erfolg relevant, da sie eigene Wertungskategorien bilden. So kennen wir beim Laufen keine Gewichtsklassen wie z.B. beim Boxen.

Ein erste Orientierung bieten hier die Weltrekordzeiten. Die Eingangsgrafik zur Gegenüberstellung der Frauen- und Männer-Marathonrekorde zeigt deutlich, wie die Frauen seit den 1960er Jahren aufgeholt haben. Der aktuelle Stand September 2019 Straßen- bzw. Bahnrennen (10km) zeigt folgendes Bild.

Distanz [km] Männer [Zeit] Frauen [Zeit] Differenz [Zeit] Pace-Differenz [sec/km]
42,195 2:01:39 2:15:25 13:46 19,58
21,098 58:18 1:04:51 6:33 18,63
10,000 26:41 29:43 3:02 18,20

Der aktuelle Weltrekord bei den Frauen wird von Paula Radcliffe (London 2003), der bei den Männern von Eliud Kipchoge (Berlin 2018) gehalten. Man erkennt hier, dass die pace-Differenz positiv mit der Distanz korreliert ist und ungefähr 18-20 sec/km zwischen den Geschlechtern beträgt. Diese Differenz ist dann ein erster Ansatz die Zeiten verschiedener Geschlechter vergleichbar zu machen. Hinzu kommt dann noch der Alterseffekt, da er auch eine Wertungskategorie begründet.

Man erkennt in der Grafik einen bis ungefähr 40-45 konstanten Unterschied in den Marathonbestzeiten zwischen Frauen und Männern. Ab 45 öffnet sich die Schere aber merklich. Vermutlich geht dies im wesentlichen auf das Klimakterium der Frauen zurück. Nichtsdestotrotz sind die Top-Leistungen der Frauen für Freizeitläufer kaum erreichbar. So steht der Rekord bei 55-jährigen Frauen bei 2:44:13: eine Zeit, die vermutlich 95% aller Männer nie im Marathon erreichen, ungeachtet der Altersklasse. Bei den 55-jährigen Männern beträgt die Bestzeit 2:23:26. Das sind ca. 21:47 Min oder ca. 18% langsamer als der derzeitige Weltrekord.

Zusammenfassend:

  1. In der historischen Entwicklung konnten die Top-Frauen den Unterschied zu den Top-Männerlaufzeiten deutlich reduzieren.
  2. Es bleibt eine signifikante Differenz, die mit dem Alter – insbesondere ab 45 Jahren – zunimmt.
  3. Bei einem Leistungsvergleich sollten Geschlechts- und Altersunterschiede berücksichtigt werden.

Aber trifft diese Differenz auch für die Masse der Läuferinnen und Läufer zu? Schließlich sind dies die Extremwerte der Verteilung am linken Rand und die Laufzeitverteilungen können regelmäßig nicht durch einfaches verschieben aufeinander abgebildet werden. Hier kann man das empirische Quantil der Leistung in der jeweiligen Geschlechts- und Altersklasse für einen Vergleich über die Geschlechter hinweg heranziehen.

Eliud Kipchoge, Berlin Marathon 2015

Paula Radcliffe, London Marathon 2005